Kontaktlinsen bei Keratokonus

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 Keratokonus – was ist das?

Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Thema Keratokonus interessieren könnte:

Weitere und tiefergehende Informationen finden Sie in unserer Broschüre MWdurchblickKeratokonus“.

Das Wichtigste vorweg: Beim Keratokonus ist das Auge voll funktionstüchtig, lediglich die Hornhaut (Cornea) hat eine veränderte Form.

An Keratokonus erblindet niemand, die Sehschärfe kann allerdings bei einem extremen Verlauf und ohne entsprechendes Korrektionsmittel (in der Regel eine formstabile Kontaktlinse) stark beeinträchtigt sein!

Definition, Ursache und Verbreitung von Keratokonus

Bei Keratokonus handelt es sich um eine nicht entzündliche, schmerzfreie, fortschreitende Erkrankung der Hornhaut. Man spricht von einer progredienten Hornhaut-Dystrophie, (Dystrophie = Ernährungsstörung, in diesem Fall der Hornhaut) bei der alle Schichten der Hornhaut betroffen sind. Obwohl man diese Erkrankung schon sehr lange kennt, sind die genauen Ursachen bis heute unklar, scheinen aber genetisch bedingt und damit vererbbar zu sein.

Bei wem die Erkrankung ausbricht, ist nicht bekannt. Auf 10.000 Einwohner kommen ca. fünf bis sechs Keratokonusfälle. Die Erkrankung tritt meist in einem Alter von Mitte bis Ende Zwanzig auf, manchmal auch in der Pubertät, selten bei Personen, die älter als 45 sind. Keratokonus gibt es auf der ganzen Welt, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe

Mit zunehmendem Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer kegelartigen Vorwölbung der Hornhaut, hervorgerufen durch eine zunächst lokale Verdünnung.

Die gesamte Hornhaut ist damit verzerrt und die optische Abbildung, je nach Stadium, dadurch stark beeinträchtigt. Die Entwicklung des Keratokonus ist in der Regel langsam, sie kann in jedem Stadium aufhören. Sollte er sich weiterentwickeln, kommt es zu einer erneuten Verdünnung und dadurch zu einer stärkeren Vorwölbung.

Anzeichen und Symptome

 

Hier sieht man einen Querschnitt durch die Hornhaut: Im oberen Bild eine normale Hornhaut, im unteren Bild eine Hornhaut bei Keratokonus

Als erste Anzeichen nimmt man unscharfes Sehen und verzerrte Bilder, oft zunächst in der Dämmerung oder Dunkelheit wahr. Um Lichtquellen ist häufig ein Schweif zu sehen. Mit einer Brille kann das Sehen im Anfangsstadium meist verbessert werden. Typisch ist jedoch eine schnelle Verschlechterung des Sehens, vor allem auf einem Auge, verbunden mit der Notwendigkeit einer neuen Brillenkorrektion. Die Bestimmung der „richtigen“ Stärke wird immer schwieriger, die Sehleistung lässt sich irgendwann kaum noch verbessern. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für die Korrektion mit Kontaktlinsen gekommen. Die Verdünnung der Hornhaut schreitet gewöhnlich fünf bis zehn Jahre fort und bleibt dann in dem erreichten Zustand stehen. Meist ist ein Auge stärker betroffen als das andere, die Entwicklung erfolgt meist abwechselnd, nicht gleichzeitig. In äußerst seltenen Fällen ist die Entwicklung des Keratokonus sehr rasant und es kann zu einem „akuten Keratokonus“ kommen, bei dem die Hornhaut kurzfristig durch Eindringen von Kammerwasser eintrübt.

Nur bei dieser Form des Keratokonus kann es zu Schmerzen während des Verlaufs kommen!

Korrektion des Keratokonus

Im Anfangsstadium wird häufig eine Brille verordnet, die Kurzsichtigkeit und Astigmatismus (Hornhaut-Verkrümmung) als Folge der „Ausbeulung“ noch ganz gut korrigiert. Auch weiche Kontaktlinsen können die entstandene Fehlsichtigkeit evtl. noch ausgleichen. Schreitet die Erkrankung fort, so werden formstabile Kontaktlinsen (fest, sauerstoffdurchlässig) angepasst. Bei ganz extremem Verlauf, wenn die Versorgung mit formstabilen Kontaktlinsen nicht mehr möglich ist, kann die Notwendigkeit einer Hornhaut-Transplantation (Keratoplastik) bestehen.

Kontaktlinsen bei Keratokonus

Für die Versorgung von Keratokonus wurden schon zahlreiche Kontaktlinsen-Typen entwickelt. Am häufigsten verwendet man heute sauerstoffdurchlässige formstabile Kontaktlinsen. Sie zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Ausgleich der bei Keratokonus auftretenden Kurzsichtigkeit und des entstehenden Astigmatismus
  • Optimale Versorgung des Auges mit Sauerstoff, denn auch durch das Material hindurch wird die Hornhaut versorgt
  • einfache Handhabung (aufsetzen, absetzen, pflegen)
  • Möglichkeit von individuellen, „maß-geschneiderten“  Formen, passend für jeden Keratokonus-Patienten

Keratokonus – die Kontaktlinse als Lösung

Große Sorgfalt und viel Erfahrung sind bei der Versorgung von Keratokonus-Augen gefordert. Regelmäßige Verlaufskontrollen, manchmal auch häufige Sitzmodifikationen sind nötig, um Formänderungen der Hornhaut rechtzeitig zu erfassen, bzw. darauf zu reagieren.

Folgende Kontaktlinsen-Typen kommen zur Anwendung:

  •  Formstabile Kontaktlinsen (z.B. Rose K)
  •  Grenzlimbale Kontaktlinsen
  •  Sklerallinsen (Miniskleral-, Semiskleral- oder Fullsklerallinsen)
  •  Huckepack-Systeme (weiche Trägerlinse, darüber eine formstabile Korrektionslinse)
  •  Individuelle weiche Kontaktlinsen
  •  Hybridlinsen: weiche Kontaktlinsen mit „hartem“ Kern (z.B. Synergeyes, Duette)

Alle Kontaktlinsen-Typen können sphärisch, torisch, quadrantenspezifisch, asymmetrisch, mit dezentrierter Optik o.ä. gestaltet sein, individuell eben, ganz nach der Form des Auges. Die besondere Herausforderung für den Kontaktlinsen-Spezialisten liegt darin, festzulegen, welches Kontaktlinsen-Design für welches Auge „das Richtige“ ist. Die diversen Eigenschaften der einzelnen Geometrien sind dabei ausschlaggebend, Grundlage ist die Augenform, die computergestützt durch unterschiedliche Messungen ermittelt wird.

Das Genialste aber ist die ...

Wirkungsweise der Kontaktlinse

Wie besprochen ist die Hornhautvorderfläche des Auges beim Keratokonus nicht gleichmäßig gewölbt. Man spricht von einer irregulären Fläche, an der das Licht nicht regelmäßig „gebrochen“ werden kann. Es kommt nur teilweise gebündelt auf der Netzhaut an. Ein intensitätsärmeres scharfes Bild wird von unscharfen Abbildungen oder Schatten überlagert.

Setzt man jetzt eine formstabile Kontaktlinse – entsprechender Form – auf das Auge, so bildet sich zwischen der Augenvorderfläche, also der Hornhaut, und der Kontaktlinsen-Rückfläche eine Tränenschicht. Auf dieser sogenannten Tränenlinse schwimmt die Kontaktlinse auf der Hornhaut. Sie hat eine optische Wirkung und gleicht die Irregularität der Hornhaut weitgehend aus.

Die Wirkung der Kontaktlinse kommt also zu Stande, in dem die Kontaktlinse dem Licht eine neue glatte Vorderfläche bietet, durch die es – regelmäßig gebrochen – in den optischen Abbildungsapparat Auge gelangen kann. Die unregelmäßige Hornhaut taucht dabei in die von der Kontaktlinse gebildete Tränenlinse ein und fällt bei der Abbildung kaum noch ins Gewicht.

Weiche Kontaktlinsen bei Keratokonus

Generell ist das Tragen von weichen Kontaktlinsen natürlich auch möglich, wenn ein Keratokonus vorliegt. Allerdings kann diese besondere Fehlsichtigkeit mit einer weichen Kontaktlinse nur teilweise korrigiert werden, so dass die erreichbare Sehschärfe meist geringer ist als beim Tragen von formstabilen Kontaktlinsen. Dieser Unterschied macht sich immer stärker bemerkbar, je weiter der Keratokonus fortgeschritten ist.

Um trotzdem eine gewisse Sehverbesserung zu erreichen, kommen spezielle weiche Kontaktlinsen zum Einsatz, die in der Mitte besonders dick gefertigt werden und damit die Irregularität der Hornhaut teilweise ausgleichen können. Allerdings gelangt durch eine solche dicke weiche Kontaktlinse deutlich weniger Sauerstoff an die Hornhaut als bei einer formstabilen Kontaktlinse.

Werden die Kontaktlinsen nur sporadisch getragen im Wechsel mit einer Brille ist dies völlig unbedenklich. Da aber von Keratokonus-Betroffenen die Kontaktlinsen meist ganztags getragen werden, ist die Versorgung mit weichen Kontaktlinsen aus unserer Sicht langfristig keine ideale Lösung, da die Hornhaut noch zusätzlich belastet wird. Allerdings kann bei einer absoluten Unverträglichkeit von formstabilen Kontatlinsen die weiche Kontaktlinse eine Ausweich-Möglichkeit darstellen.

Hybrid-Linsen

Bereits seit einigen Jahren stehen auch die sogenannten Hybrid-Linsen zur Verfügung, eine Kombination von formstabiler und weicher Kontaktlinse. Im Zentrum dieser Kontaktlinsen befindet sich der formstabile Kern mit einem Durchmesser von ca. 8 bis 9 mm und daran schließt sich ein weicher Rand an.

Die Hybridlinsen kombinieren die Vorteile einer formstabilen Kontaktlinse – das gute Sehen – mit denen der weichen Kontaktlinsen – der hohe Spontankomfort. Allerdings sind diese Kontaktlinsen nur in sehr eingeschränkten Parametern erhältlich und meist nur bei Keratokonus im Anfangsstadium verwendbar. Daneben gibt es noch weitere Nachteile beispielsweise im Bezug auf die Sauerstoffversorgung der Hornhaut oder die etwas erschwerte Handhabung.

Welche Kontaktlinse für Sie speziell geeignet ist, zeigt sich im Verlauf der Kontaktlinsen-Anpassung.

Über den Verlauf der Anpassung bei Keratokonus in unserem Institut erfahren Sie mehr in unserer Broschüre MWdurchblickKeratokonus“.

Da die Versorgung sehr individuell ist, ist vorab eine Kostenaussage kaum möglich!

Seit 2009 ist die Indikation Keratokonus bei den gesetzlichen Krankenversicherungen in den entsprechenden Richtlinien unter B § 17.15 genau definiert. Wenn die Kriterien erfüllt sind, ist eine augenärztliche Verordnung erforderlich. In einem individuellen Kostenvoranschlag werden der Krankenversicherung die Kosten für die Versorgung eingereicht. Häufig werden 60–80% des Betrages übernommen. Private Krankenversicherungen übernehmen meist die gesamten Kosten bei der Indikation Keratokonus.

Brille bei Keratokonus

Die Korrektion von Keratokonus mit Brille ist, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung, wegen der unregelmäßigen Verformung der Hornhaut oft nur schwierig möglich. Trotzdem ist es sinnvoll, eine Ersatzbrille zu haben, für morgens und abends vor und nach dem Kontaktlinsentragen oder für Zeiten, in denen Sie Ihre Augen etwas entlasten möchten. Auch wenn mit einer solchen Brille nicht die gleiche Sehschärfe erreicht werden kann wie mit Ihren Kontaktlinsen stellt sie eine gute Alternative gegenüber dem Sehen ganz ohne Korrektion dar. Gerne bestimmen wir für Sie die optimal verträglichen Werte passend zu Ihren Kontaktlinsen und fertigen für Sie eine Ersatzbrille, die sog. Kontaktlinsenbrille.

Keratokonus und Alterssichtigkeit

Auch Patienten mit Keratokonus entwickeln zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr die sogenannte Alterssichtigkeit oder Presbyopie. Das Phänomen ist bekannt, „die Arme werden zu kurz“ und Kleingedrucktes ist nur noch mühsam erkennbar.

Da die Versorgung von Keratokonus häufig sehr komplizierte Kontaktlinsen-Typen erfordert, kann die zusätzliche Korrektion der Alterssichtigkeit mit Kontaktlinsen schwierig, in manchen Fällen sogar unmöglich sein, so dass ausschließlich die zusätzliche Nahbrille möglich ist.

Gerne berät Sie Ihr Kontaktlinsen-Spezialist darüber, welche Variante in Ihrem Fall möglich ist.

Keratokonus und Lasern

Neben Kontaktlinse und Brille gibt es zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten die im Vergleich dazu noch jungen Verfahren der refraktiven Laser-Chirurgie. Durch die Laser-Technologie wird auf der Hornhaut Gewebe abgetragen um eine Fehlsichtigkeit zu korrigierten. Dabei kommt es zu einer künstlichen Verdünnung der Hornhaut. Da bei Keratokonus die Hornhaut krankheitsbedingt eine Verdünnung aufweist, würde eine Laserbehandlung das Gegenteil des gewünschten Effekts hervorrufen. Die zusätzliche Verdünnung durch das Lasern verstärkt die Vorwölbung der Hornhaut und führt zum Fortschreiten des Keratokonus. Daher kann die Laser-Technologie bei Keratokonus nicht zur Anwendung kommen.

Es gibt jedoch Laser-Spezialisten, die versuchen mit gezielter lokaler Laserbehandlung Zonen der Hornhaut so zu bearbeiten, dass eine provozierte Narbenbildung zur Stabilität der Hornhaut führen soll – über Ergebnisse gibt es keine verlässlichen Quellen.

Die bei den refraktiven Laser-Verfahren entstehende gewollte Verdünnung der Hornhaut kann in seltenen Fällen langfristig unerwünschte Folgen haben.

Wird zu viel Material der Hornhaut durch den Laser abgetragen, kann es im Laufe der Jahre zu einer Instabilität der Hornhaut und damit ähnlich wie beim Keratokonus zu einer Vorwölbung der Hornhaut kommen.

Ein solcher durch Laser-Behandlung hervorgerufener Keratokonus wird Keratektasie genannt. Die Auswirkungen auf das Sehen sind die Gleichen wie bei einer Keratokonus-Erkrankung. Auch hier ist für die Korrektion in der Regel eine formstabile Kontaktlinse notwendig. Allerdings gestaltet sich die Anpassung der Kontaktlinsen oft schwieriger und zeitintensiver als beim Keratokonus, da die Form der Hornhaut durch die Laserbehandlung künstlich verändert ist, insbesondere im Randbereich.

Neue Operationsmethoden

In den letzten Jahren wurden immer wieder neue Methoden entwickelt, die versuchen, operativ das Fortschreiten des Keratokonus aufzuhalten. Aber auch mit diesen Methoden ist keine Heilung oder eine Wiederherstellung der Hornhautform vor Beginn des Keratokonus möglich. Sie versprechen allerdings eine Verlangsamung des Fortschreitens bis hin zum Stillstand und sind bei nicht allzu weit fortgeschrittenem Keratokonus anwendbar.

Ein mögliches operatives Verfahren ist das Einpflanzen eines intrastromalen Rings in die Hornhaut hier wird mit Hilfe der Laserchirurgie ein Kanal in die tiefen Schichten der Hornhaut geschnitten, in den ein Ring aus Platin oder Kunststoff eingeschoben wird. Dieser sorgt für eine Versteifung der Hornhaut, was ein weiteres Vorwölben der Hornhaut verlangsamen soll. Diese Methode ist allerdings sehr stark abhängig von der genauen Position der Vorwölbung auf der Hornhaut und von der Größe der Pupille. Diese Operationsmethode hat sich in den letzten Jahren nicht aus dem experimentellen Stadium heraus entwickelt und findet keine breite Anwendung. Gleiches gilt auch für verschiedene Operationstechniken, bei denen mittels Skalpell oder Laser gezielte Schnitte in der Hornhaut gesetzt werden, um eine Glättung der Hornhaut und damit eine Verbesserung des Sehvermögens zu erreichen.

Corneal Cross Linking

Ein Operationsverfahren, das sich in den letzten Jahren immer weiter verbreitet ist die sogenannte Kollagen-Vernetzung oder auch Corneal Cross Linking genannt. Ziel ist es, die Hornhaut in ihrer aktuellen Form „einzufrieren“ und damit eine Weiterentwicklung des Keratokonus zu verhindern oder auszubremsen.

Bei dieser Methode wird die oberste Hornhautschicht entfernt, auf die tieferen Schichten Riboflavin, ein spezielles Vitamin, aufgetropft und unter Bestrahlung von UVA-Licht ausgehärtet. Dadurch soll die Festigkeit der Hornhaut erhöht werden. Für die Behandlung muss die Hornhaut eine gewisse Mindestdicke aufweisen, daher wird Cross Linking in der Regel bereits im Anfangsstadium angewandt, insbesondere wenn ein schnelles Fortstreiten zu erwarten ist.

Aktuell gibt es verschiedene Studien, in denen die Wirksamkeit dieses Verfahrens überprüft wird. Bisher sind nur vorläufige Zwischenergebnisse bekannt, die auf eine vielversprechende Wirkung hoffen lassen. Aus heutiger Sicht scheint die Anwendung von Corneal Cross Linking insbesondere bei jüngeren Betroffenen (Jungendliche und junge Erwachsene) sinnvoll zu sein, da hier eine schnellere und stärkere Weiterentwicklung des Keratokonus zu erwarten ist. Ab dem 40. Lebensjahr stabilisiert sich der Keratokonus meist von selbst, so dass ein operativer Eingriff keine großen Vorteile mehr bringt.

Weitere und tiefergehende Informationen zum Thema finden Sie in unserer Broschüre MWdurchblickKeratokonus“.

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